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ZWISCHEN BARFUSS UND JAUSENBOX

Autorenbild: Manuela Kalupar
Manuela Kalupar
2. Sept.
4 Min. Lesezeit

Ihr Lieben, seid ihr schon im Herbst angekommen?


Ich nämlich noch nicht so ganz.


Gestern sagte Nina zu mir einen Satz, bei dem ich sofort dachte: Ja. Genau das ist es.

„September ist irgendwie ein zweites Silvester.“

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr stimmt es.

Nur ohne Glitzerkleid und Champagner.

Dafür mit neuen Stundenplänen und zu kleinen Turnschuhen.

Der September hat schon etwas von Neuanfang. Vielleicht sogar mehr als der Jänner. Nach dem Sommer soll plötzlich wieder etwas weitergehen. Wir wollen Struktur. Neue Projekte anfangen. Wieder regelmäßig arbeiten. Früher schlafen gehen. Gesünder essen. Sport machen.


Kurz gesagt: Ab Montag werden wir wieder komplett vernünftige Menschen.

Natürlich.


Gleichzeitig befinde ich mich gerade in dieser eigenartigen Phase des Jahres, in der ich morgens beinahe eine Jacke brauche und nachmittags persönlich beleidigt bin, weil der Sommer offenbar wirklich vorhat, sich zu verabschieden.

Ich will das nämlich noch nicht.

Ich will noch laue Abende. Barfuß draußen sitzen. Türen offen. Dieses herrlich unkomplizierte Sommerleben, in dem Abendessen auch mal aus Wassermelone und irgendetwas besteht, das man im Kühlschrank gefunden hat.

Und gleichzeitig ertappe ich mich dabei, wie ich mich auf Zuhause freue.

Auf Kerzen und Tee. Decken und Zimtgeruch. Auf dieses erste Wochenende, an dem es draußen regnet und man völlig ohne schlechtes Gewissen beschließen kann, heute einfach nirgends mehr hinzugehen.

Vor allem aber sehne ich mich nach Struktur.

Nach einem Montag, der wieder Montag ist.

Nach Arbeitszeiten und Gewohnheiten. Nach diesem beruhigenden Gefühl, dass das Leben wieder ein bisschen in seine vorgesehenen Schubladen zurückkehrt.

Was natürlich vollkommen naiv ist.

Denn mit dem September kehrt nicht nur die Struktur zurück.

Es kehrt auch die Jausenbox zurück, was mich wohl am meisten stresst.

Und mit ihr ungefähr 47 weitere Dinge, an die bis gestern niemand denken musste.

Angefangen bei Schulsachen, Kindergartenzeug, Elternabende, Turnbeutel bis über früh aufstehen. Termine, Formulare, die unbedingt bis morgen unterschrieben werden müssen und von denen man selbstverständlich um 21:38 Uhr erfährt.

Und Schuhe.

Warum sind eigentlich nach jedem Sommer ALLE Kinderschuhe zu klein?

Man hat kurz das Gefühl, man hätte das Leben wieder unter Kontrolle, und dann steht ein Kind vor einem, dem innerhalb von acht Wochen offenbar drei Zentimeter Fuß gewachsen sind.

Frohes neues Jahr.

Nur eben im September.

Und während wir Erwachsenen hochmotiviert unsere persönliche Version von Neujahr starten, müssen auch unsere Kinder von einem Tag auf den anderen wieder in einen völlig anderen Rhythmus finden.

Früher aufstehen, zuhören, sich konzentrieren, Schuhe gegen Barfuss tauschen, Abschiede schaffen, Lautstärke, Menschen, Regeln und Erwartungen aushalten.

Und dann kommen sie nach Hause.

Zu uns.

Dorthin, wo sie nicht mehr funktionieren müssen.

Was wunderschön ist.

Und manchmal, sagen wir es, wie es ist: verdammt anstrengend.

Denn all das, was ein Kind den ganzen Tag tapfer zusammengehalten hat, landet ziemlich zuverlässig dort, wo es sich am sichersten fühlt.

Bei Mama.

Herzlichen Glückwunsch.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich dieses Jahr keine Lust auf September-Vorsätze habe.

Ich möchte nicht noch besser funktionieren.

Nicht noch organisierter sein. Noch früher aufstehen. Noch gesünder kochen. Noch geduldiger reagieren.

Und ich werde ganz sicher keine Morgenroutine etablieren, für die ich um 5:17 Uhr aufstehen, meditieren, journaln und Zitronenwasser trinken muss, bevor der Rest der Familie erwacht.

Nein danke.

Mein Vorsatz für dieses zweite Silvester ist ein anderer:

Wie kommen wir gut durch diese Wochen, ohne uns selbst irgendwo zwischen Jausenbox, Kindergefühlen und Elternabend zu verlieren?

Genau daraus ist dieser September im AUREA Circle entstanden.

Ich habe dafür alles zusammengesucht, was ich selbst in solchen Zeiten hilfreich finde: mein pädagogisches Wissen, Nervensystemregulation, unsere Öle und vor allem die kleinen Dinge, die Theo und ich tatsächlich in unserem Alltag machen.

Nicht für ein perfektes Familienleben.

Sondern für Dienstagmorgen um 7:14 Uhr.

Für den Abschied, der heute plötzlich schwerfällt.

Für das Kind, das nach der Schule wegen der falschen Nudeln weint.

Für den Nachmittag, an dem alle Nerven blank liegen.

Und auch für die Mama, die irgendwann merkt, dass sie seit dem Aufstehen hervorragend für alle anderen gesorgt hat – nur für sich selbst noch nicht.

Denn einer Familie geht es oft nur so gut, wie es der Mama geht.

Leider funktioniert dieser Satz auch in die andere Richtung.

Uns Mamas geht es nämlich erstaunlich oft nur so gut, wie es unseren Kindern geht.

Ein ziemlich bescheuertes System eigentlich.

Aber nun gut.

Also machen wir dieses Jahr vielleicht kein zweites Silvester, bei dem wir uns vornehmen, ab morgen bessere Menschen zu werden.

Wir suchen uns lieber ein paar Dinge, die uns durch diesen Übergang tragen.

Ein Ritual am Morgen. Einen Duft, der irgendwann „Du bist sicher“ bedeutet. Eine Idee für den Nachmittag. Etwas für die Tage, an denen die Nerven dünn sind.

Und vielleicht auch die Erkenntnis, dass wir am 1. September genauso wenig als völlig neue Menschen aufwachen wie am 1. Jänner.

Frohes neues Jahr, ihr Lieben.

Wir müssen nicht perfekt im Herbst ankommen.

Wir müssen überhaupt erst einmal ankommen.


Und wenn du beim Lesen gedacht hast: So ein paar Werkzeuge könnte ich gerade ziemlich gut gebrauchen – genau dafür gibt es den AUREA Circle.

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1 Kommentar


Fenna Behrens
13. Sept.

Wie wunderschön ehrlich & echt ist bitte dieser Beitrag? Ich fühle all das, was du beschreibst.. Sommer ist so dieses gesunde, herrliche Chaos.. und nun, kommt der Herbst und alle sehnen sich nach Ruhe, Entspannung, Struktur und Mini-Routinen! Danke -- für diesen tollen Beitrag!

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