top of page

Bist du glücklich?

Autorenbild: Manuela Kalupar
Manuela Kalupar
15. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 29. Aug.



Bist du glücklich?

Diese Frage hat mir meine liebe Freundin – die übrigens niemals salopp fragt „Wie geht’s dir?“ – fast beiläufig in einer WhatsApp vor den Latz geknallt.


Bist du glücklich?


Ich wusste überhaupt nicht, was ich damit anfangen soll.

Was für eine Frage.

So groß, dass ich ganze drei Tage nicht geantwortet habe.

Nachgedacht habe ich allerdings unentwegt darüber.

Und irgendwann ist mir ein Film eingefallen, der mich als Jugendliche mit 12, 13 Jahren wahnsinnig beschäftigt hat: Legenden der Leidenschaft.

Darin gibt es sinngemäß diesen Gedanken, dass ein Mensch vielleicht niemals wirklich glücklich ist. Dass es nur diese klitzekleinen Momente gibt – vielleicht zwei oder drei im ganzen Leben – in denen man vollkommen glücklich ist.

Ich weiß noch, wie mich das damals beschäftigt hat.

Heute denke ich: Was für eine Filmszene. Halleluja.

Vielleicht ist „Bist du glücklich?“ einfach die falsche Frage.

Vielleicht müsste sie heißen:

Hattest du heute einen Glücksmoment?

Und auch da muss ich kurz schlucken.

Ja? Vielleicht? Eventuell?

Ich bin mir gar nicht sicher.

Dabei weiß ich ganz genau, wie sich meine Glücksmomente anfühlen.

Wenn es draußen regnet und ich mit Theo vorm Kamin sitze und wir viel zu süßen Tee trinken.

Wenn nach einem Sommergewitter die ganze Welt nach Regen riecht.

Wenn ich am Meer stehe, die Augen schließe und diesen ersten tiefen Atemzug Meerluft nehme.

Wenn Maxi sich so dicht an mich kuschelt, als gäbe es auf dieser riesigen Welt wirklich keinen besseren Platz.

Wenn ich mit meiner besten Freundin Brigitte so lachen muss, dass ich irgendwann keinen Ton mehr rausbekomme.

Das sind sie.

Und mir ist etwas aufgefallen:

In keinem einzigen dieser Momente denke ich darüber nach, ob ich glücklich bin.

Ich bin es einfach.

Ich bin nicht gestern.Ich bin nicht morgen.Ich bin nicht bei meiner To-do-Liste.

Ich bin da.

Und weißt du, wo sie in Legenden der Leidenschaft in dieser Szene sitzen?

Unter einem Apfelbaum.

Nicht auf irgendeinem Berggipfel nach dem Erreichen ihrer Lebensziele.

Unter einem verdammten Apfelbaum.

Vielleicht ist es genau das.

Vielleicht müssen wir gar nicht versuchen, ein glückliches Leben zu führen.

Vielleicht dürfen wir anfangen, Glücksmomente zu sammeln.

Und jetzt wird’s tricky:

Wir müssen sie halt auch bemerken.

Denn genau das passiert mir erschreckend oft nicht.

Ich habe keine Zeit dafür, keinen Nerv, keine Kraft.

Mein Nervensystem ist auf Anschlag, während vor mir vielleicht gerade ein ziemlich schöner Moment passiert – und ich bin gedanklich schon drei Probleme weiter.

Abends dasselbe.

Körper am Outdoorsofa und den Kopf noch irgendwo zwischen morgen, gestern und „Scheiße, das muss ich auch noch machen“.

Und vielleicht ist genau deshalb in den letzten Monaten etwas Kleines für mich ziemlich groß geworden.

Diese Mini-Rituale:

Ein Öl aufmachen, riechen, Atmen und kurz stehen bleiben.

Das macht danach nicht alles wunderbar. Aber ich bin wieder da.


Es gelingt mir nicht immer.

Bei weitem nicht.

Aber ich glaube, ich bin dadurch sensibler geworden für diese winzigen Glücksmomente, die ich früher wahrscheinlich einfach überrannt hätte. Es macht meinen Alltag leichter. Und Glück hat immer Leichtigkeit an der Hand.

Und deshalb habe ich dir meine Lieblinge zusammengepackt.

In ein Pschord-Pinkerl, wie wir bei uns im Mühlviertel sagen würden.

Ein Pschord-Pinkerl ist das kleine Bündel, das man mitnimmt, wenn man sich auf den Weg macht.

Und ich liebe dieses Bild so sehr! Ein kleines Pinkerl für eine Reise.

Mit ein paar Dingen darin, die man unterwegs brauchen könnte, damit man eine gute Reise hat. Sich manchmal ins Gras setzen kann und in ein dick belegtes Wurstbrot zu beissen und sich in dem Moment ein Schmetterling auf die Blume vor dir setzt.


Und irgendwie ist unser Leben doch genau das:

Eine ziemlich wilde Reise. Mit viel Gepäck, ein paar Umwegen und dieser ewigen Hoffnung, unterwegs ganz viele Schmetterling Glücksmomente zu finden.


Ich wünsche mir, dass dieses kleine Pschord-Pinkerl dich nicht glücklicher macht.

Das kann es nicht.

Ich wünsche mir etwas anderes.

Dass es dich immer wieder kurz anhält.

Dass du riechst und atmest und spürst.

Und vielleicht genau dadurch einen dieser klitzekleinen Momente erwischst, den du sonst verpasst hättest.

Den Regen und das Lachen. Eine kleine Hand in deiner. Den Geruch von Sommer oder einfach einen Apfelbaum.

Was auch immer es für dich ist.

Vielleicht brauchen wir gar nicht mehr Glück. Vielleicht müssen wir das, das längst da ist, nur wieder öfter bemerken.

Und dafür packe ich dir ein kleines Pschord-Pinkerl. 🤍



 
 
 

Kommentare


bottom of page