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Der Briefträger weiß Bescheid oder wenn der Briefträger 2x klingelt und nix passiert :)

Autorenbild: Manuela Kalupar
Manuela Kalupar
13. Okt.
3 Min. Lesezeit

Neulich hab ich von einer Influencerin gelesen, die ihre Masterarbeit darüber geschrieben hat, dass sie 66 Tage am Stück offline war. Und ich dachte nur so: Hahaha. In welcher Welt leben wir eigentlich, in der wir Masterarbeiten über Offline-Zeit schreiben und ihre Auswirkungen hochfeiern?


Und dann hab ich drüber nachgedacht.


66 Tage offline- undenkbar. Wie lange würde ich es bloß aushalten? Ich glaub es würd alles zusammenbrechen. Es fühlt sich so weit weg an. Dabei war ich mit 16 genau 365 Tage im Jahr offline. Und hab es gehasst. Heute sehne ich mich nach diesen Zeiten.


Dann fiel mir eine Dreifach-Mama ein, die mit mir in der Breathwork-Ausbildung war. Sie hat erzählt, dass bei ihnen von 12 bis 14 Uhr Mittagspause ist. Die einen schlafen, die anderen beschäftigen sich ruhig. Natürlich offline. Auch sie, Mama und Unternehmerin, macht in diesen zwei Stunden Pause, natürlich offline. Als sie erzählte, dass der Briefträger weiß, dass er in der Zeit nicht klingeln braucht, haben wir alle gelacht. Und insgeheim ein bisschen diese Sehnsucht gespürt.

Jetzt denk dir mal: zwei Stunden am Tag Ruhe.


Ich weiß, für viele Frauen undenkbar. Woher die Zeit nehmen? Aber nehmen wir uns mal an der Nase. Wie oft verlangen wir von unseren Kindern, sie sollen entspannen, und sitzen währenddessen bei der Einschlafbegleitung oder während sie lesen mit dem Handy da?


Am Montag hab ich einen Entschluss gefasst. Ich bin selbstständig, ich arbeite sehr viel, zu jeder Tageszeit, oft bis mitten in die Nacht. Und ich nehme mir jetzt etwas völlig Absurdes heraus: Seit Montag gibt es zwischen 13 und 17 Uhr kein Handy, keinen PC. Nichts. Offline is kinda chick- vier Stunden am Tag, das werd ich doch schaffen.


Heute ist Mittwoch. Und wenn ich ehrlich bin, warte ich ab 16:30 darauf, dass die Uhr endlich 17 Uhr schlägt. Weil ich das Gefühl habe, ich bin hintennach.

Aber was, wenn mich genau das fokussierter arbeiten lässt?

Man hat ja ständig dieses Gefühl: Und wenn was Wichtiges ist? Ja, dann ruf ich um 17 Uhr halt zurück. Und lese die 765 Nachrichten in allen WhatsApp-Gruppen. Die Leute werden sich dran gewöhnen.


Und wenn du sehen würdest, wie oft ich aus reiner Gewohnheit zum Handy greife, weil es mir verdammt schwerfällt, einfach dazusitzen und nichts zu tun, du würdest laut lachen mit mir, so wie ich gelacht habe mit der Breathworkkollegin.

Aber ich hab ein starkes Tool, das mir schon bei meiner dreimonatigen Insta-Pause geholfen hat: Ich setze mir einen Anker.

Ein Anker ist eine Verknüpfung. Du koppelst einen bestimmten Reiz immer wieder an denselben Moment, bis dein Körper die Verbindung irgendwann von selbst herstellt. Und Duft ist dafür wie gemacht. Der Geruchssinn nimmt keinen Umweg, er landet direkt dort, wo im Gehirn Gefühle und Erinnerungen wohnen. Deshalb bist du beim Duft von Omas Vanillekipferln sofort wieder acht Jahre alt.


Bei mir ist es Lemongrass. Immer wenn ich zum Handy greife, nehme ich stattdessen einen Atemzug davon. Und das reicht, um mein Nervensystem daran zu erinnern: Du musst jetzt nicht. Nichts- einfach atmen und schon gar nicht am Handy schauen.


Ob ich die 66 Tage jemals schaffe? Ehrlich gesagt, eher nicht. Eine Masterarbeit wird auch keine draus. Aber vielleicht reicht es ja, jeden Tag ein paar Stunden lang wieder 16 zu sein. Nur diesmal, ohne es zu hassen, weil ich glaub ich lieb es jetzt schon. Und mein Theo erst- er hatte noch nie so eine präsente Mama.

Und falls du mich zwischen 13 und 17 Uhr erreichen willst: Bitte nicht klingeln. Ich atme gerade Lemongrass. Von Herzen, Manuela


 
 
 

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